Historie

Die Freie Waldorfschule Halle begann die Arbeit am 01.09.1990 mit 60 Kindern in den Klassen 1 bis 4.
Die Schule entstand aus der Initiative von Eltern, Lehrern und Freunden, die seit dem Herbst 1989 nach neuen Wegen für die Erziehung ihrer Kinder suchten. Es konnte an eine Arbeit mit Kindern im Sinne der Waldorfpädagogik angeknüpft werden, die in kleinen Kreisen über die Jahre der Diktatur insgeheim gepflegt wurde. Träger der Schule ist der gemeinnützige Verein der Freien Waldorfschule Halle e.V., gegründet am 05. Juni 1990.

Die Freie Waldorfschule Halle hat ihre erste Unterkunft - Notlösung - auf dem Gelände einer staatlichen Schule in der Frohen Zukunft gefunden ("Frohe Zukunft" = ehemaliges Zechengebiet am nordöstlichen Stadtrand von Halle). Die hoffnungsvolle Ortsbezeichnung konnte nicht über die Raumprobleme hinwegtäuschen. In den provisorischen Unterbringungen für damals bis zu 160 Schüler in sieben Klassen und den 13 Lehrern herrschte so manches Mal drangvolle Enge. Die "fremden" Räumlichkeiten wurden für Eltern und Helfer zum gestalterischen Übungsfeld im Umgang mit Farben, Formen und Materialien, mit denen sie liebevoll eine Atmosphäre zu schaffen verstanden, die dem pädagogischen Anliegen dienen sollte.

Schon bald stellte sich heraus, dass der provisorische Schulstandort nicht ausreicht. Nach umfangreicher Suche fanden wir das Gut Beesen. Das alte Dorf Beesen an der Elster, heute Bestandteil Halles, dessen moderne Bebauung von der Silberhöhe her sich bis an den alten Ortskern vorgeschoben hat, war ursprünglich eine alte Fischeersiedlung. Auf einem Sporn über dem Flußufer erhebt sich das Rittergut Beesen mit Bauten des 16. Jahrhunderts.

Breits im Jahr 1994 schlossen Vertreter des Vereins der Freien Waldorfschule Halle e.V. mit der Stadt Halle/Saale einen Erbbaurechtsvertrag, wobei die Gebäude in den Besitz der Schule übergingen. Mit dem Erwerb des Grundstücks im Jahr 2014 befindet sich nun das Gelände samt Gebäuden im Besitz der Schule.

Die alten Gemäuer waren gekennzeichnet von einer mehr als 500­jährigen Geschichte.

Das "Gut Beesen" liegt auf einer Anhöhe über der Elster, mit weitem Blick über eine einmalig schöne Auenlandschaft ( heute Landschaftsschutzgebiet). Es gehört zu einem Ort gleichen Namens am südlichen Rand der Stadt Halle/Saale. Das Ortssiegel zeigt einen Fischer im Kahn, deutend auf eine ehemals sorbische Fischersiedlung. Neusteinzeitliche Wohngruben, Brandgräber und Feuersteinwerkzeuge sind zeugen uralter Besiedlung dieses Gebietes. Die Ersterwähnung­und nachweisliche Bebauung des Gutes ist für das 1298 datiert und ist den Gebrüdern Bezeme zuzuschreiben, die dem heutigen Ort Beesen ihren Namen gaben.

Geprägt ist die Geschichte des Ortes und des Gutes Beesen von Jahrhunderte alten Kämpfen und Fehden um die alte Land-­, Handels- ­und Heerstraße Richtung Merseburg. Das Rittergut Beesen wechselte häufig seinen Besitzer. So wurde mit den Besitzern, Gebrüder von Bose eine intensive Bautätigkeit auf dem Gutsgelände verbunden. So ist in den Archiven der Stadt Halle zu lesen, dass Christoph von Bose das Schloss Beesen als Adäquat zum damaligen Schloss Ammendorf (heutiges Herrenhaus) baute mit Ökonomiegebäuden und Lusthaus (höchstwahrscheinlich der heutige Speicher). Jedoch verschuldete er sich so stark, dass er das Rittergut veräußern musste.

Im Jahre 1593 erwarb die Stadt Halle, die aus strategischen Gründen zur Überwachung der alten Handels- ­und Heerstraße sehr am Besitz des Gutes interessiert war, das Gut von Familie Bose für 17 000 Taler. Die Jahreszahlen an einigen Gebäuden unserer Schule sowie am imposanten Gutshoftor belegen hier eine intensive Bautätigkeit.. Nach dem zerstörerischen Dreißigjährigen Krieg erwarb das Domkapitel zur Magdeburg das Gut, ab 17 26 war die Theologische Fakultät Besitzer und zeichnet sich verantwortlich für den Anbau am Herrenhaus (gebaut als Schulräume). Erst 1788 kam das Gut für 50 100 Taler bis zum heutigen Tag in den Besitz der Stadt Halle zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das alte Gut von der VEG Tierzucht (Volkseigenes Gut) genutzt und stark heruntergewirtschaftet. Der Verein der Freien Waldorfschule Halle schloss 1994 auf der Suche nach einem geeigneten Areal für unsere Schule mit der Stadt Halle einen Erbaurechtsvertrag und ist seit dem Besitzer dieser alten Gemäuer. In zwei großen Bauabschnitten, der erste erstreckte sich von 1996 bis zum Jahr 2000 und der Zweite von 2005 bis Ende 2009 konnten wir die vorhandene Gebäudesubstanz nutzen und unter Beachtung der denkmalrechtlichen Auflagen und örtlichen Gegebenheiten zu einer Schule umbauen. 

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